Absage der Aktion Ferienspiele 2020

Absage der Aktion Ferienspiele

 

„Wir lesen jeden Tag von neuen Lockerungen. Fakt ist allerdings – und das kennen auch Kindergarten- und Schulträger -, dass die Umsetzung der Angebote dann einer Quadratur des Kreises gleichkommt.“ (Dekan Bernd Herbinger, Vorsitzender Katholische Gesamtkirchengemeinde)

 

„Wir hatten bis zuletzt gehofft … leider ist nun das eingetroffen, was wir uns noch vor ein paar Monaten nicht vorstellen konnten – wir sagen schweren Herzens die Aktion Ferienspiele ab“. (Niklas Zurell, ehrenamtlicher Leiter der Aktion Ferienspiele)

 

Die Auswirkungen der Corona-Pandemie haben nun auch die Aktion Ferienspiele erreicht. Mit Beginn der Ausbreitung und der damit verbundenen Verkündung der Corona-Verordnung des Landes Baden-Württemberg war schnell klar, dass Kinder- und Jugendarbeit in der bis dahin bekannten Form nicht mehr möglich sein würde. Die damalige Verordnung sah vor, dass Angebote bis zum 15.06. nicht mehr stattfinden dürfen. Die Leitung der Aktion Ferienspiele entschied sich damals dafür, bis zu diesem Zeitpunkt abzuwarten um die Chancen auf ein Stattfinden noch zu wahren. Aus diesem Grund liefen auch die Vorbereitungen weiter, Mitarbeiterschulungen und Leitungstreffen wurden daher online veranstaltet.

Seit Ende Mai liegt nun eine Corona-Verordnung „(für) Angebote (der) Kinder- und Jugendarbeit sowie Jugendsozialarbeit“ vor, die von einer aktuell gültigen Fassung ab dem 15. Juni abgelöst wurde. Eine weitere Fassung soll Mitte Juli folgen. Zudem gibt es eine Handlungsempfehlung „Gemeinsame Empfehlungen und Hinweise zum Planungsrahmen für die Durchführung von Angeboten … unter Bezugnahme auf die künftigen Öffnungsschritte“ von verschiedenen Trägern der Jugendarbeit und dem Ministerium für Soziales und Integration.

 

Die Gründe für eine Absage zum jetzigen Zeitpunkt sind wie folgt:

Nach aktueller Verordnung dürfen Angebote nur mit einer max. Personenzahl von 20 Personen und einer Mindestfläche von 10 Quadratmetern pro Person angeboten werden. Dies soll Mitte Juli auf 100 Personen insgesamt (Kinder und Mitarbeiter) ausgeweitet werden. Hier fehlt den Verantwortlichen die Planungssicherheit, definitiv mit der 100 Personengrenze rechnen zu können. Sollte die Personengrenze aufgrund noch nicht absehbarer Ereignisse nicht zustande kommen bzw. gesenkt werden, müsste Mitte Juli Kindern und Mitarbeitern sehr kurzfristig absagt werden.

Was zu einem weiteren Punkt führt: Bei der Aktion Ferienspiele sind pro Aktion knapp 260 Personen dabei (Kinder und Mitarbeiter). Bei 100 Personen könnten ca. 70 Kinder und 30 Mitarbeiter teilnehmen.  „Dies stellt uns vor die Frage: welchen Kindern sagen wir ab? Welche Kinder dürfen mitmachen? Wie legen wir die Kriterien fest? Egal wie, es wäre immer für irgendwelche Kinder von Nachteil, das möchten wir vermeiden“, sagt Max Forstner, ehrenamtlicher Leiter der Aktion Ferienspiele.

Ein weiterer Punkt ist, dass die Durchführung -gerade als Tagesfreizeit- aufgrund der aktuellen Verordnung und auch aufgrund der Handlungsempfehlung über den Zeitraum ab Mitte Juli erschwert wird. Die hier bestehenden Abstandsregeln und das Gebot von gleichbleibenden Gruppen machen ein abwechslungsreiches Programm, wie die Kinder es kennen, nicht möglich. Wie soll gespielt, gebastelt, gewerkelt oder getröstet werden, wenn Kinder untereinander und Betreuer zu den Kindern 1,5 Meter Abstand halten sollen? Weitere Highlights der Freizeit wie Großgruppentag, Familienabend oder Projekttag könnten ebenfalls aufgrund der Vorgabe von gleichbleibenden Gruppen und der Personengrenze nicht stattfinden.

Neben dem Programm beeinflusst die Verordnung/ Empfehlung auch weitere Bereiche, wie Essensausgabe, sanitäre Anlagen, …. Auch Hygienevorgaben (vieles setzen die Mitarbeiter der Aktion Ferienspiele generell um) behindern die Arbeit, da häufiges Desinfizieren verschiedenster Räume und Dinge zur Tagesordnung gehören würde.

Ein Übernachten der Mitarbeiter darf laut Handlungsempfehlung ebenfalls nicht stattfinden, ein Problem für die Durchführbarkeit der Aktion Ferienspiele. Zum einen sind ca. 40% der Mitarbeiter nicht aus Friedrichshafen, zum anderen werden diverse Besprechungen und Vorbereitungen für den nächsten Tag abends gemacht – dies mindert die Qualität der Freizeit.

Die Anfahrt aufs Gelände ist mit der aktuellen Verordnung/ Empfehlung zudem ein Problem und die bauliche Situation lässt eine private Anfahrt aufgrund der erhöhten Unfallgefahr nicht zu.

Zuletzt und am wichtigsten ist der Schutz der Gesundheit und die Fürsorgepflicht gegenüber allen anvertrauten Kindern und Mitarbeitern und deren Angehörigen. „Wir sehen ein erhöhtes Risiko der Infektionsgefahr und des Verbreitungskreises der Infektionskette, weil alle Kinder und alle Mitarbeiter abends nach Hause gehen. Wir können nicht kontrollieren mit wem und in welchem Umfang Kinder und Mitarbeiter im Tagesanschluss Kontakt haben und wollen auf keinen Fall verbieten, Kontakt mit anderen Personen zu haben. Wir wissen nicht, wie die Corona-Pandemie sich (gerade in den Urlaubsmonaten) weiterentwickelt. Klar ist für uns jedoch, Gesundheit steht an erster Stelle!“ erklärt Jessica Schuff, ehrenamtliche Leiterin der Aktion Ferienspiele.

 

„Wir wissen, dass diese Entscheidung 400 Kinder traurig macht, wir und ich denke ich kann hier für alle Mitarbeiter sprechen, sind es auch!“ sagt Niklas Sieweke, ehrenamtlicher Leiter der Aktion Ferienspiele.

 

Damit die Kinder die Aktion Ferienspiele nicht vergessen, bietet die Aktion Ferienspiele kleine digitale Aktionen über ihren YouTube-Kanal während dem Zeitraum der Ferienspiele an. Nähere Informationen dazu wird es im Vorfeld auf der Facebook und Instagram-Seite geben.

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